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Was Sie über unsere Schützlinge wissen sollten, bevor Sie sich „Ihren Hund“ aussuchen !
Allgemeines:Die Insel Gran Canaria besteht aus 21 Gemeinden. Aus 19 dieser Gemeinden landen ungewollte und verstoßene Tiere in der Auffangstation, die über eine Aufnahmekapazität von etwa 200 - 300 Hunde und 80 – 120 Katzen verfügt. Die meisten der Hunde werden von Hundefängern gebracht, die regelmäßig über die Insel fahren und herumlaufende, offensichtlich herrenlose Tiere aufgreifen. Andere werden von ihren Besitzern ohne viel Worte abgeschoben. Manche von ihnen sind entlaufen und werden von ihren Haltern wieder abgeholt. Ca. ein Drittel aller Hunde, die über das Jahr eingeliefert werden, haben Glück und die Chance auf ein Weiterleben. Zum größten Teil können sie vor Ort vermittelt werden und ein kleiner Teil wird von uns und anderen Tierfreunden/Tierschützern für eine Vermittlung nach Westeuropa ausgesucht und vorbereitet. Bei uns gehört dazu eine veterinärmedizinische Erstuntersuchung, ein Test auf Filaria (Herzwurm) die regelmäßige und vorbeugende Behandlung gegen Ekto- und Endoparasiten (Flöhe, Zecken, Würmer), sowie Impfung gegen Tollwut, Kastration und Kennzeichnung durch Mikrochip. Langhaarige Hunde, deren Fell bei Abgabe verfilzt und verknotet ist, versuchen wir möglichst noch vor der Vermittlung zusätzlich zu scheren. Welpen erhalten selbstverständlich alle notwendigen Wiederholungsimpfungen für die Grundimmunisierung. Das Alter der Hunde wird bis auf die Ausnahmen, in denen ein Hund vom Besitzer mit Ausweis abgegeben wird, von unseren Tierärzten vor Ort geschätzt.
Woher kommen die Hunde ?Ganz ehrlich – wir wissen es nicht oder nur in seltenen Fällen ! Wir kennen weder ihre Vorgeschichte, noch die Haltungsbedingungen, unter denen sie gelebt haben, bis sie von Hundefängern aufgegriffen, in der Auffangstation landeten, weil sie zu groß, zu alt, zu lästig, zu pflegeintensiv, zu zeitaufwendig geworden oder einfach geboren, aber nie gewollt waren. Aufgrund einer Haltung der Hunde in Gehegen mit größeren Gruppen, ist es uns nicht möglich, die Hunde regelmäßig aus den Gehegen zu holen und mit ihnen Gassi zu gehen. Das Pflegepersonal ist zeitlich dazu nicht in der Lage und das Ein- und Ausgehen wechselnder, den Hunden fremder Personen wie auch vorkommende Eifersucht der Hunde untereinander, kann zu Problemen und Beisserei führen. Wir können deshalb nicht nur – nicht sagen, ob sie ordentlich an der Leine laufen (sehr wahrscheinlich haben die meisten von ihnen es nie gelernt), es ist uns auch nicht möglich vorher zu sagen, wie sie sich verhalten werden, wenn sie bei Ihnen zu Hause angekommen sind – welche Umstände, Geräusche, welches Umfeld (z.B. Straßenverkehr), bestimmte Menschen (z.B. Männer, Kinder) etc. mitunter Unsicherheit, Ängste und Stress bei ihnen auslösen. Im Allgemeinen sind nicht alle der Hunde, die in der Auffangstation landen, Streuner gewesen, sondern kommen - wie leider in Südeuropa noch weitgehend üblich - aus noch schlimmeren Verhältnissen (z.B. Haltung an der Kette, Haltung auf Dachterrassen) oder wurden einfach auf der Straße ausgesetzt und/oder wurden dort geboren. Solche Hunde sind nicht grundsätzlich scheu im Umgang mit Menschen oder unverträglich mit Artgenossen – meist ist das Gegenteil der Fall, sie kommen innerartlich gut miteinander aus, doch viele von ihnen waren sehr wahrscheinlich gezwungen, für ihr Überleben selbst zu sorgen und dabei eigene Strategien zu entwickeln (Ernährung von Abfällen und Unrat, Jagdverhalten). Ein behütetes Leben mit regelmäßiger Ernährung, Pflege, ja eine Haltung in Haus oder Wohnung kennen Hunde in Südeuropa meist nicht ! Oft sind sie weder stubenrein noch in irgendeiner Weise erzogen und kennen kein „Sitz“, „Platz“, „Bleib“ etc. Dennoch sind die meisten von ihnen sehr anpassungsfähig und lernen das kleine Hundeeinmaleins in einem neuen Zuhause und unter dem Standard Westeuropas sehr schnell !
Wie sollten Sie mit einem solchen Hund umgehen ? Worauf sollten Sie bereit sein, sich einzulassen ?Wenn wir für die Vermittlung Tiere ausgesucht und für eine Adoption vorbereitet haben, sind sie für eine bestimmte Person unseres Teams vorgesehen, die sich um den weiteren Vermittlungsablauf kümmert. Diese Person wird auch nach der Vermittlung Ihr Ansprechpartner bleiben und jederzeit mit Rat und Unterstützung für Sie da sein. Wir lassen Sie mit möglichen Schwierigkeiten nicht im Stich und nehmen unseren Schützling auch zurück in unsere Obhut, wenn sich heraus stellt, dass - aus welchem Grund auch immer – der Hund nicht bei Ihnen bleiben kann. In den meisten Fällen verlassen die Tiere die Insel erst, wenn in Deutschland ein Pflegeplatz für sie frei ist. Das bietet potentiellen Adoptanten die Möglichkeit, die Hunde kennen zu lernen und von Beobachtungen und Erfahrungswerten der Pflegepersonen zu profitieren. Auf Direktvermittlungen lassen wir uns nur dann ein, wenn es sich um Adoptanten handelt, die bereits Erfahrung mit Tieren aus dem Auslandstierschutz haben und genau wissen, worauf sie sich einlassen oder aber bei Menschen, die bereits Welpen aufgezogen haben - denn für die Hunde aus der Auffangstation ist ein Leben innerhalb der veränderten Situation, in die sie praktisch "hinein geworfen" werden, in jeder Hinsicht vergleichbar. Unsere Vermittlungstexte basieren zunächst nur auf den Beobachtungen, die wir in der Auffangstation machen können und beschränken sich auf die Verträglichkeit der Hunde mit Artgenossen und ihr Verhalten gegenüber Menschen in der Auffangstation. Der Umgang mit Kindern gehört allerdings eher selten dazu. Wenn wir aber entsprechende Erfahrungen machen konnten, teilen wir Ihnen dies mit. Alles Andere kann nur eine Einschätzung sein, die wir nach bestem Wissen und Gewissen vornehmen, für die wir aber aus o.g. Gründen keine Gewähr übernehmen können. Ein Hund, der sich in der Auffangstation unbefangen und ohne Ängste zeigt, kann trotzdem nach der Reise und der Ankunft in einem ihm völlig fremden Umfeld gestresst und mit Unsicherheit und Angst auf bestimmte Reize reagieren. Genau so kann aber auch ein vermeintlich scheuer und ängstlicher Hund mehr oder weniger schnell Vertrauen und Sicherheit gewinnen, wenn seine Halter grundsätzlich bereit sind, den Hund so anzunehmen wie er ist und ihm vermeintliches „Fehlverhalten“ nicht als „Ungehorsam“ anlasten. Wer immer aus Liebe zum Hund agiert, wird mit Geduld und Einfühlungsvermögen sein Vertrauen gewinnen und ihm Sicherheit geben.
Die ersten Wochen im neuen ZuhauseVorab eine dringliche Herzensbitte, die wir nicht oft genug wiederholen können: Bitte machen Sie sich nach Ankunft Ihres neuen Familienmitglieds aus Gran Canaria noch einmal ganz bewusst, dass es sich um einen Hund handelt, der die Verhältnisse bei Ihnen nicht kennt, dem voraussichtlich alles fremd ist, dem Sie fremd sind - der noch keine Bindung/kein Vertrauen zu Ihnen aufgebaut haben kann! Er ist unbedingt auf IHRE Vorsicht, IHRE Fürsorge und IHRE Verantwortung angewiesen ! Ein offener Türspalt, ein Loch im Zaun, ein Schreck vor einem unbekannten Geräusch, eine unbewusst heftig ungelenke Bewegung und Vieles mehr - jede Unachtsamkeit Ihrerseits kann ihm zu Verhängnis werden und ihn schlimmstenfalls das Leben kosten ! Lassen Sie ihren Hund mindestens vier bis zwölf Wochen lang nie ungesichert/ohne Leine laufen (wir empfehlen eine lange Schleppleine)! Wenn Sie mit ihm üben möchten, tun Sie das bitte nur in sicherem eingezäunten Gelände !
Im besten Fall ist es Ihnen möglich, in den ersten Wochen nach Ankunft ihres Hundes für ihn da zu sein, bis er sich eingewöhnt hat (Urlaub). Sobald er in Ihrem Haus/Ihrer Wohnung angekommen ist, lassen Sie ihn bitte in Ruhe durch alle Räume gehen. Hunde erforschen ihr neues Terrain durch Schnüffeln, also geben Sie ihm Zeit dafür. Zeigen Sie ihm seinen Schlafplatz und werfen ein paar besondere Leckerchen auf die Decke oder in den Korb. Besondere Leckerchen können Fleischwurst, Käse, gekochtes Hühnchen oder Putenfleisch sein. Wenn Sie Kinder haben, leiten Sie sie bitte zu einem ruhigen und respektvollen Umgang mit dem Hund an und achten Sie darauf, dass er von ihnen nicht bedrängt wird. Das Trainieren von Signalen (Kommandos) wie Sitz, Platz, Bleib, etc. ist jetzt noch verfrüht, weil Ihr Hund sie noch nicht kennt. Wichtiger ist es am Vertrauensaufbau zu arbeiten. Achten Sie auf Anzeichen von Stress oder Konflikten (z.B. Körper abducken, stark angelegte Ohren, eingeklemmte Rute, Kopf abwenden). Bücher wie z.B. "Hundeverhalten" von Barbara Handelman können Ihnen helfen diese Anzeichen zu erkennen. Wenn Sie Unsicherheit oder Ängstlichkeit bemerken, vermeiden Sie möglichst eine laute Stimme, wenn Sie Ihren Hund ansprechen/mit ihm sprechen. Grundsätzlich hören Hunde, wenn sie nicht taub sind sehr gut ; ) Stehen Sie bitte nicht einfach aufrecht vor ihm und schauen ihm dabei direkt in die Augen. Beugen Sie sich bitte nicht von oben über den Hund, sondern versuchen Sie sich „klein“ zu machen – gehen Sie in die Hocke oder setzen Sie sich. Streicheln Sie den Hund zu Anfang möglichst nicht über den Kopf, sondern seitlich am Kopf oder nur seine Körperseite. Gehen Sie mit ihm alle 2 Stunden vor die Tür oder in den Garten damit er sich lösen kann. Loben Sie ihn mit ruhiger Stimme wenn er sich am gewünschten Ort gelöst hat und geben ihm vielleicht ein Leckerchen. Wenn ihm in Haus oder Wohnung ein „Malheur“ passiert, schimpfen Sie bitte nicht und wischen die „Bescherung“ einfach wortlos weg. Versuchen Sie behutsam, ihm zu zeigen, wo er seine „Geschäfte“ erledigen soll. Wie schnell das geht ist hundeindividuell verschieden – der eine versteht schnell, der andere braucht mehr Zeit. Wenn er ein anderes unerwünschtes Verhalten zeigt, rufen Sie möglichst nicht laut NEIN, AUS oder PFUI. Damit würden Sie ihn nur unnötig verschrecken. Lenken Sie ihn lieber von dem unerwünschten Verhalten ab und bestätigen Sie ihn mit Futter, wenn er das gewünschtes Verhalten zeigt. Machen Sie am Anfang nur ganz kurze Spaziergänge von ca. 10-15 Minuten mit ihm. Drei bis vier mal täglich wäre ideal. Bei längeren Spaziergängen würde er sicherlich, bei den vielen neuen Eindrücken, unter Stress stehen und sichern Sie ihn bitte in den ersten Wochen und Monaten doppelt mit Halsband und Geschirr (Informationen dazu finden Sie hier) Das mag Ihnen albern und übertrieben vorkommen, doch der Hund könnte sich unterwegs unverhofft und plötzlich über etwas erschrecken (ein lautes Geräusch, schreiende herumtollende Kinder o.ä.) und reagiert möglicherweise panisch und mit Fluchtinstinkt. Ersparen Sie sich die Sorge und schlaflose Nächte und Ihrem Hund einen möglichen Unfall oder gar frühzeitigen Tod. Falls Sie sich für den Besuch einer Hundeschule entscheiden, schauen Sie sich die Trainer und Trainingsmethoden genau an: Lehnen Sie bitte die Erziehung mit Leinenruck, Disk-Scheiben (Klapperscheiben), Sprühhalsbändern oder Schlimmerem konsequent ab. Mit diesen angsteinflössenden und schmerzhaften Methoden werden Sie das Vertrauen Ihres Hundes verlieren oder können es erst gar nicht aufbauen. Hundeschulen und Verhaltenstherapeuten die dem Verband der IBH (Internationaler Berufsverband der Hundetrainer) angeschlossen sind, arbeiten vollkommen gewaltfrei und nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen ! Bitte haben Sie Verständnis und Geduld mit Ihrem neuen Familienmitglied.Es lohnt sich ! |
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